Die diesjährige Ausgabe des LMF war ausverkauft und der Saal voller Führungspersonen aus Verwaltung und Politik. Trotzdem blieb es still, als Vanessa Aebli, Direktorin des Bevölkerungsamts der Stadt Zürich, in ihrem Referat in die Runde fragte: «Wer hier im Raum hat Macht?»

Dass niemand die Hand hob, passte zu den Fragen, die an diesem Tag beschäftigten: Wie viel Gestaltungsspielraum haben Führungskräfte tatsächlich? Ist Führung im Kontext der öffentlichen Verwaltung unter heutigen Bedingungen überhaupt noch attraktiv? Was braucht es, damit künftige Generationen Verantwortung übernehmen wollen? Was braucht es, damit künftige Generationen Führung übernehmen wollen? Und was macht gute Führung überhaupt aus?

Im Verlauf des Forums wurden verschiedene Aspekte sichtbar, die wirksame Führung heute prägen. Dazu gehört der Umgang mit Fehlern. Aldo C. Schellenberg, Mehrfachverwaltungsrat und ehemaliger Stellvertreter des Chefs der Armee, erklärte die Stärke der Just Culture. Eine solche Kultur unterscheidet zwischen Versehen, gut gemeinten Regelabweichungen und tatsächlichem Fehlverhalten. Entscheidend ist dabei, dass positive Absichten als solche anerkannt werden: «Gut gemeint ist gut gemeint», betonte er. Fehler sollen dennoch benannt und besprochen werden. So entsteht ein Umfeld, in dem Mitarbeitende Sicherheit spüren und Organisationen aus Erfahrungen lernen können.

Vanessa Aebli beleuchtete in ihrem Referat den Kurswechsel, den junge Führungskräfte fordern und wie Führung (wieder) Lust machen kann. Sie machte unter anderem deutlich, wie unklare Abgrenzungen zwischen Fachführung, Projektführung und Linienführung in Unsicherheit und Überforderung münden können. Eine klare Rollentrennung reduziert nicht nur die Komplexität, sondern schafft auch Raum für Gestaltung und Zeit für Entwicklung.

In der öffentlichen Verwaltung spielt zudem die strukturelle Perspektive eine wichtige Rolle. Nils Löffel, Stadtrat und Bildungs- und Sportdirektor der Stadt Olten, zeigte, dass Gestaltungsspielraum selbst in komplexen oder starren Organisationen vorhanden sein kann. Wichtig ist, dies zu ermöglichen, indem bestehende Strukturen hinterfragt und Verantwortungen übertragen werden. Er regte das Publikum dazu an, in den nächsten Tagen einen konkreten Schritt zu planen, um mehr Führung zu ermöglichen.

Zum Abschluss ging es um eine Art von Leadership, die selten im Vordergrund steht: Stille, verlässliche Führung, die Wirkung entfaltet, ohne sich selbst in Szene zu setzen und gerade deshalb oft übersehen wird. Martin Gutmann, Professor für Leadership und Management an der Hoch-schule Luzern, zeigte, dass Bescheidenheit, Pragmatismus und Selbstreflexion Teams nachhaltiger prägen können als jede Form der Selbstinszenierung.

Unter dieser Perspektive kann auch die eingangs gestellte Frage nach der Macht in einem neuen Licht gesehen werden. Vielleicht ist das Zögern der Anwesenden kein reines Symptom von Führungsmüdigkeit. Vielleicht ist es ein Zeichen, dass Führung losgelöst von Machtlogiken funktionieren kann. Und dass heute eben anders geführt wird. Stiller, bewusster. Mit Demut und Bescheidenheit. Das macht Mut und viel Lust auf Führung.

Das 13. LMF findet am 3. Dezember 2026 statt. Jetzt vormerken und dabeisein!

Das LMF wird gemeinsam von der Hochschule Luzern und bcp organisiert. Es richtet sich an Führungskräfte in der Verwaltung auf kommunaler, kantonaler und eidgenössischer Ebene, in öffentlichen Betrieben sowie an Mitglieder der Exekutive.